Dies ist die 2te Fassung der Presseerklärung zur Räumung
der Wagenburg "planlos". Ich dachte dieser Schrieb könnte
vielleicht einige Menschen zum Umdenken veranlassen. Ich möchte den
Vorgang eigentlich nicht weiter kommentieren, da ich selbst nicht körperlich
anwesend war, aber einige Bekannte.Auch sollte dieser Schrieb die zu
verharmlosten Zeitungeberichte aus div. Tageszeitungen richtigstellen.
Natürlich sind die Eindrücke sehr subjektiv, doch sollte man
sich auf jeden Fall mal Gedanken machen.
Volker
Presseerklärung der Wagenburg "planlos", Überarbeitetet
Fassung Die Geschehnisse des 05.05.97 aus unserer
Sicht
Seit 9 Monaten lebten Wir, etwa 20 Frauen, Männer und Kinder,
mit Duldung der Stadt in unseren Bauwagen und Wohnmoblien auf einer Wiese
in Scharnhausen.
Am 05.05.97 wurden wir unter Einsatz eines massiven Polizei-Aufgebots brutal
geräumt und damit in die Obdachlosigkeit getrieben.
Schon im Vorfeld der Räumzbg versuchts die Polizei Unterstützerinnen
vom Gelände fernzuhalten. So wurden z.B. 10 Personen, darunter 3 Kinder
auf dem Weg zum Bauwagenplatz durchsucht und anschließend in einer
Umkleidekabiene der Körschtalhalle ohne Begründung festgehalten.
Dort sammelte sich die Bereitschaftspolizei aus Göppingen. Außerdem
war der polizei daran gelegen, die Berichterstattung über die Geschehnisse
einzuschränken. So wurden z.B. 3 Personen festgenommen, die Fotos
von den beginnenden Räumungsarbeiten gemacht hatten.
Gegen 12:30 Uhr rückten Fahrzeuge der Feuerwehr sowie Räum- und
Bergungsfahrzeuge mit einem Tiefladeanhänger auf geheiß
des Ordnungsamtes an. Dieses wurde von ca. 50 Polizeibeamten gesichert.
Die meißten Bewohnerinnen und Unterstützerinnen des Wagenplatzes
befanden sich zu diesem Zeitpunkt auf den Dächern unserer eng zusammengestellten
Fahrzeuge. Die Rämungsfahrzeuge begannen zunaechst 3 quergestellte
Bauwagen, die die Zufahrtswege versperrten, zu entfernen. Unsere Unterstützerinnen
und wir versuchten vergeblich diese durch lautstarken Protest zu verhindern.
Da wir uns immernoch weigerten unsere Dächer zu verlassen, geriet
der Raemungsablauf ins stocken. Deshalb forderte der Polizeieinsatzleiter
Braune die 2 Hundertschaften der Bereitschaftspolizei von Körschtalhalle
an, um das Gelände abzuriegeln und weitere 30 Beamte des SFK um uns,
wie er sagte "sicher von den Dächern zu
holen".
Gegen 15:00 Uhr bezog das SEK ausgerüstet mit Knüppeln, Schildern
und Helmen Stellung und ließ ueber Megaphon verkünden, das wir
das Gelände unter Feststellung der Personalien zu verlassen hätten.
Bei Nichtbefolgung drohten sie mit "zweckmaessiger
Gewaltanwendung und Erzwingungshaft zur Durchführung der Beschlagnahmungs-Maßnamhe".
Als wir daraufhin Verhandlungen mit dem anwesenden Chef des Rechts- und
Ordnungsamtes Herrn Steinhilber forderten, wurde dieses ignoriert und unverzüglich
mit der gewaltsamen Rämung durch das SEK und der Bereitschaftspolizei
begonnen.
Das SEK stürmte mit Hilfe von Leitern unsere Dächer, prügelte
wahllos auf uns ein und stieß Frauen und Männer aus bis zu 4
Metern höhe auf den Boden.
Sie jagten uns von Dach zu Dach, schlugen gezielt auf Köpfe ein und
zerrten festgenommene Personen teilweise an den Haaren die Leitern herunter.
Unten angekommen wurden wir weiter mit Stock- und Faustschlägen traktiert,
einige von uns wurden an von außen nicht einsehbaren verstecken (z.B.
hinter den Bauwägen) zusammengeschlagen.
Der Versuch sich mit flüssigem Matsch und dem entleeren von Wassereimern
zur Wehr zu setzen, wurde und später vom Einsatzleiter Braune als
hoch-gewalttätig zur Last gelegt.
Die festgenommenen verletzten Gefangenen wurden, obwohl Fahrzeuge fuer
die ärztliche Behandlung bereitstanden nur ungenügend versorgt
in die Gefangenentransporter verladen. So kam es dazu, daß eine Person
mit schwerer Kopfverletzung erst nach mehreren Stunden Haft in eine Klinik
gebracht wurde. Nach dieser Untersuchung nahm die Polizei die Person trotz
Haftunfähigkeit wieder mit zur ED-Behandlung. Seit der ED-Behandlung
befindet sich diese Person wieder im Krankenhaus.
Durch Überbelegung der Gefangenentransporter und dem extrem ruppigen
Fahrstil der Fahrer wurden die etwa 50 auf den Rücken gefesselten
und unangeschnallten Gefangenen, psychischem und physischem Terror ausgesetzt.
Neben körperlichen und seelischen Schäden, wurde und auch ein
erheblicher materieller Schaden zugefügt. Bei der an Vandalismus erinnernden
Durchsuchung unserer Wagen zerstörten die Beamten des SEK mutwillig
Fenster und Einrichtungsgegenstände. Auch die rabiate Fahrweise mit
der die Fahrer der Feuerwehr, die unsere Fahrzeuge abtransportierten diente
wohl eher dem Zweck unserem Eigentum Schaden zuzufügen als die Fahrzeuge
einfach nur von diesem Platz zu entfernen.
Zu guterletzt erfolgte noch ein behördlicher Rundumschlag der Gemeinden
Ostfildern und Denkendork:
Unseren Unterstützerinnen wurde mit der Beschlagnahmung ihrer Fahrzeuge
gedroht, wenn sie diese nicht innerhalb von 30 Minuten aus der Gemeinde
Ostfildern entfernten. Die Stadt Denkendorf erließ ebenfalls eine
Beschlagnahmeverfügung für die dort legal geparkten Wohnmobiele,
so daß wir gezwungen waren/sind auf einen Parkplatz der Filharmonie
in Bernhausen auszuweichen
Am 07.05.1997 um 19:00 findet im "Zentral-Kultur", Pfarrstr.
7 70182 Stuttgart eine Info-Veranstaltung zur Rämung statt
Mit freundlichem Gruß; WagenBurg "planlos" Kontakt: 0171/8342106
Die Verantwortlichen der Scharnhaeusener Raeumung freuen sich auf Anrufe
und Faxe, Post finden se sicherlich auch nicht schlecht !!
Einsatzleiter Braune (Rämung Körschtal) 0711/73990251 Ordnungsamt:
Hr. Steinhilber Klosterhof 4, 73760 Ostfildern Tel: 0711/3404-255 Fax:
0711/3404-234
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